Thesen zur Arbeit mit Menschen

Aus der Sicht des integrativen NLP
Von Bernd Isert

Einander wahrnehmen

Menschen sind auf tiefen Ebenen miteinander verbunden und nehmen weit mehr voneinander wahr, als ihnen bewusst wird. Wir reagieren nicht nur auf das äußere Verhalten des anderen, sondern auf seine inneren Intentionen, Gedanken und Zustände. Es lohnt sich nicht, einander etwas vormachen zu wollen. Es lohnt sich, echt und kongruent zu sein. Unsere Vernunft und unsere bewussten Bemühungen gleichen einem Filter, der unsere Wahrnehmung fokussiert aber auch einschränkt. Wir können Zustände der Offenheit erreichen, in denen wir uns unseres Wissens voneinander auf leichte Art gewahr werden.

Über Beziehung

Beziehung ist Austausch von Menschen. Wechselseitig lernen sie, führen, folgen und finden sie neue Wege, weder allein die des einen, noch allein die des anderen. Gegensätze ziehen sich an. Ergänzung ist wichtiger als Gleichheit. Kooperation ist wertvoller als Machtausübung. Denn Macht ist Einseitigkeit und Ressourceverzicht, Kooperation ist Vielfalt und Fülle.

Gedanken zum „Programmieren, Ankern“ und „Installieren von Strategien“

Ein Mensch ist kein programmierbarer Biocomputer, sondern ein einzigartiges, selbst bestimmtes Universum, das hochsensibel Beziehungen, Kontexte und Erfahrungen verarbeitet und auf verschiedenen Ebenen lernt und sich entwickelt. Ein System höherer Ordnung im Sinne von Heinz von Förster. Ein Führen von Menschen durch Reiz-Reaktions-Mechanismen, wie „Ankern“, „Rapport machen“, „Installieren von Strategien“ oder hypnotische Sprachmuster ist nur möglich und sinnvoll, wenn es im Interesse der Beteiligten liegt und von diesen vereinbart oder akzeptiert wird. Derartige Methoden haben keine Wirkung jenseits einer dies ermöglichenden Beziehung. Austausch, Kooperation und das Machen von Angeboten sind von höherem Wert als Führen und Folgen, denn diese integrieren die Ressourcen aller Beteiligten.

Von der Betrachtung des Einzelnen zur Betrachtung des Systems

Lösungen für die komplexen Probleme des Lebens finden sich nicht allein in der Betrachtung der betroffenen Einzelperson, sondern auch in der Einbeziehung des sozialen Systems und der sozialen Beziehungen, aus denen sie kommt und in denen sie lebt. Hier lassen sich die benötigten Ressourcen finden und bestehende Blockaden lösen.

Vom Modellieren

Modellieren ist das Erforschen, Aufbereiten und nutzbar machen der inneren Struktur besonderer Qualitäten, Fähigkeiten und Leistungen, die andere, unsere „Modelle“, uns zeigen. Um diese Struktur zu erfassen, braucht es den Blick auf den ganzen Menschen, seine Entwicklung und seine soziale Zugehörigkeit. Werden nur Teilbereiche erfasst, können wesentliche Aspekte ausgeblendet bleiben. Empathie, unbewusstes und intuitives Modellieren ermöglicht den ganzheitlichen Zugang. Gleicht das Modellieren dem Ausfüllen von Formularen oder der Abarbeitung von Formaten, kann die Struktur des Modellierens den Zugang zur Struktur des Modells versperren. In diesem Fall wird das Ergebnis lediglich ein Abbild der Struktur des Modellierers sein. Wenn NLP den Anspruch hat, exzellente Fähigkeiten und Modelle zu erfassen und zu beschrieben, darf es diesen Prozess nicht durch eigene Muster, Motive und Filter verzerren oder muss sich der eigenen Filter bewusst sein, um das Ergebnis zu relativieren.

Originalität versus Modellieren

Da jeder Mensch einzigartig ist und in ebenso einzigartigen Beziehungen und Kontexten lebt, geht es weniger darum, Modelle aus anderen Zeiten und Lebenskontexten zu übernehmen, sondern das eigene Potenzial zu entdecken und entsprechend in der aktuellen Lebenssituation zu entfalten. Was andere zu anderen Zeiten geleistet haben, kann hierzu beitragen, die individuelle Entwicklung aber nicht ersetzen.

Über Formate

Wer lernt, mit Menschen zu arbeiten, erlernt eine Sprache. Feste Veränderungsformate sind darin wie auswendig gelernte Sätze. Sie können jedoch hilfreich als Schritte auf dem Weg sein, frei und schöpferisch sprechen zu lernen.

Über Balance

Es geht nicht primär darum, der/die erste, beste, schnellste und größte zu sein, sondern den eigenen, jetzt passenden und sinnvollen Platz in einem größeren Ganzen zu finden. Balance ist wichtiger als Maximierung. Nachhaltigkeit ist wichtiger als „Quick Fix“.

Über die Weisheit des Unbewussten und die Grenzen des Bewussten

Dem Bewussten die Kontrolle des Lebens zu geben, mag klug sein. Es betrachtet Ausschnitte der Welt und erledigt eines nach dem anderen. Sich auch dem Unbewussten anzuvertrauen, ist weise. Es erlebt das Ganze und verarbeitet die Informationen gleichzeitig. Die Brücke zwischen Bewusstem und Unbewusstem zu bauen, kann den Reichtum an beiden Ufern miteinander verbinden und ist der Schlüssel zu Glück und dauerhaftem Erfolg.

Über Ressourcen

Menschen können alle Ressourcen, die sie für ein erfülltes Leben benötigen, in dieser Welt finden, nicht nur in sich selbst. Ressourcen sind kein einmalig geschnürtes Paket, sie werden durch ständigen Austausch, durch Geben und Nehmen in uns und um uns herum ständig neu geschaffen. Wo sich ergänzende Anteile in Kontakt treten, entsteht Synergie: 1 + 1 = 3.

Der Veränderungsarbeiter als Wahlhelfer

Jeder Mensch, jede Beziehung und jeder Entwicklungsprozess ist einzigartig. Wer mit Menschen arbeitet und Prozesse begleitet, braucht deshalb besonders eine Kompetenz: Die Fähigkeit, Wahlmöglichkeiten anzubieten, die zu diesem Moment passen. So, als hätten wir immer drei Optionen frei.

Vom Ich zum Wir

Das Wir-Bewusstsein – auch systemisches Denken genannt – hilft uns, Wettbewerbsgerangel, Überproduktion, Ausgeschlossensein und Angst zu lösen. Es zeigt in Richtung Frieden.

Der sechste Sinn

Jener Sinn, der im NLP vergessen wurde, kann einen großen Unterschied machen. Der Gleichgewichtssinn gibt all den anderen Eindrücken ihren Stellenwert und ihre sinnvolle Position. Und damit ist der Weg frei für Intuition und all die anderen Sinne, die auch noch kommen wollen.

Über Weiterentwicklung

Neugier und Forschung sollten nie aufhören. Alles, was wir haben, sind Zwischenergebnisse. Vorschnelles Festschreiben von Zwischenergebnissen als Standard lähmt die Weiterentwicklung. Jene, welche die Standards setzen und hüten, sollten nicht selbst zu den Anbietern gehören oder im Wettbewerb miteinander stehen, sondern unabhängig und allparteilich die Entwicklungskräfte koordinieren.

Kennen lernen können Sie unsere Art, NLP zu verstehen und damit zu arbeiten im METAFORUM SommerCamp, zum Beipiel in einer dreiwöchigen Ausbildung zum NLP-Practitioner.